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Ein mächtiger Weihnachtsbaum steht vor dem barocken Hohhaus Palais in Lauterbach.

Zwei Vogelsberger Pioniere brachten den Weihnachtsbaum nach Amerika

Geschichte des Weihnachtsbaums

Die Tradition des geschmückten Weihnachtsbaumes, die heute weltweit bekannt ist, hat ihre Wurzeln tief in Deutschland – 
und ihre ersten transatlantischen Schritte wurden maßgeblich von Persönlichkeiten aus der Region des Vogelsbergs und dessen Umgebung geprägt.

Friederike von Riedesel: Der früheste Baum in Nordamerika

Friederike von Riedesel, die Gemahlin des Regenten folgte ihrem Mann zu den Zeiten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges nach Nordamerika. Heiligabend 1781 lud sie eine Gruppe englischer und deutscher Offiziere in ihren Salon im heutigen kanadischen Sorel (in der Nähe von Quebec) ein, wo ein mit Kerzen beleuchteter und mit Früchten dekorierter Weihnachtsbaum stand. 

Diese erstmalige Zurschaustellung eines geschmückten Weihnachtsbaums auf nordamerikanischem Boden markierte den Beginn einer heute weit verbreiteten Tradition. Noch heute weist eine Tannenbaum-Silhouette aus Metall vor dem damaligen Wohnhaus der Riedesels im kanadischen Sorel auf den ersten Christbaum Amerikas hin und erinnert an die historische Bedeutung dieses Ereignisses. 

Das romantische Fachwerkstädtchen Lauterbach, Stammsitz des Hauses Riedesel, putzt sich auch heute noch mit Lichtern und traditionellem Weihnachtsschmuck zur Weihnachtszeit prächtig heraus.

Ein mächtiger Weihnachtsbaum steht vor dem barocken Hohhaus Palais in Lauterbach. Er ist reich mit goldenen Kugeln, roten Päckchen und silbernen Sternen geschmückt. Vor ihm steht eine Frau in historischer Gewandung mit schwarzem Cape und Strohhut und gesikuliert zeigend zum Baum.
Das Barockschlösschen im Herzen Lauterbachs beherbergt das Hohhaus Museum und wurde als Palais der Freiherren Riedesel zu Eisenbach zwischen 1770 und 1778 erbaut. Es heißt, dass die einstige Bewohnerin, Friederike Charlotte Louise Riedesel Freifrau zu Eisenbach, die Tradition des Weihnachtsbaumes 1781 nach Amerika gebracht haben soll.
Ein großer, geschmückter Weihnachtsbaum leuchtet hell mitten auf einem mit Basaltkopfsteinpflaster belegten Platz. Dahinter ist eine Reihe von Fachwerkhäusern zu sehen. Es ist finstere Nacht.
Zur Weihnachtszeit steht auf dem großen Marktplatz vor dem Licher Rathaus ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum, der mit seinem Lichterglanz die dunklen Nächte in der Fachwerkaltstadt verzaubert.

Karl Follen: Der Gelehrte aus Romrod erobert Harvard

Der amerikanische Weihnachtsbaum-Brauch ist eng mit dem Namen Charles Follen verbunden, der ursprünglich Karl Follen hieß und am 4. September 1796 in Romrod im Vogelsbergkreis geboren wurde.

Als radikaler Burschenschafter musste Follen aufgrund politischer Verfolgung aus dem Großherzogtum Hessen fliehen. Er emigrierte 1824 in die USA und wurde bald Professor an der renommierten Harvard University in Cambridge.

Aus Heimweh zu seiner Heimat im Vogelsberg soll Karl Follen 1832 einen kleinen Nadelbaum aufgestellt und mit Äpfeln und Nüssen geschmückt haben – eine private Feier, die schnell die Aufmerksamkeit der amerikanischen Gesellschaft erregte. Follen gilt damit als einer der ersten und wichtigsten Kulturvermittler, der den deutschen Weihnachtsbaum-Brauch in den akademischen Kreisen der USA etablierte und populär machte. Der Baum war für Follen nicht nur Dekoration, sondern ein Symbol für Heimat und Freiheit.