Mit welchen historisch bekannten Vulkanausbrüchen lässt sich der Vogelsbergvulkanismus vergleichen?

Die explosiven Ausbrüche des Vogelsbergvulkans, wie sie die hessischen Landesgeologen im vorangegangenen Kapitel beschreiben, sind vergleichbar mit den Ausbrüchen des Vesuvs (79 v. Chr.), dem Mt. St. Helens in den USA (1980), dem El Chichón in Mexiko (1982) oder dem La Soufriére auf der  Karibikinsel Montserrat (1996). Auch in Deutschland gab es in erdgeschichtlich jüngster Vergangenheit einen derart spektakulären Ausbruch: Die Eruption des Laacher-See-Vulkans vor 13.000 Jahren ist die gewaltigste Vulkanexplosion in Mitteleuropa zu dieser Zeit. Was passierte damals, zum Ende der letzten Eiszeit, als schon Menschen Augenzeugen dieser Naturkatastrophe waren? Der Laacher-See-Vulkan eruptierte, so beschreibt es Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmincke in seinem Buch „Vulkanismus“, innerhalb weniger Tage den Hauptteil von insgesamt über sechs Kubikkilometern Magma. „In dieser extrem kurzen Zeit wurden gewaltige Massen an Asche und Bims bis über 30 km hoch in die Atmosphäre geschleudert und bis nach Schweden und Italien verfrachtet, wo sie heute dünne Lagen etwa 1 m unter der Oberfläche von Mooren bilden, die beste Zeitmarke in der jüngeren geologischen Vergangenheit Mitteleuropas.

So ungefähr kann man sich den Krater des Laacher Sees nach Ende der vulkanischen Aktivität vorstellen

Das eruptierte Gesamtvolumen des Laacher-See-Vulkans ist größer als das ähnlicher sogenannter plinianischer Eruptionen wie der des Vesuvs, des Mt. St. Helens oder des El Chichón.“ Immer spielte bei solchen explosiven Ausbrüchen das im Magma eingelagerte Wasser eine große Rolle, denn je höher der Wasseranteil in der Schmelze, desto explosiver entlädt sie sich während der Eruption. Auch die Wechselwirkung von Magma mit Oberflächenwasser  erzeugt hochexplosive Reaktionen. Viele Forscher nehmen sogar an, dass der Einfluss von Wasser eine Explosion auslösen und deren Dynamik bestimmen kann.
Die spätere, letzte Phase des Vogelsbergvulkanismus, in der die zuvor explosiv geförderten Gesteine mit dünnflüssigen basischen Laven überdeckt wurden, ist mit isländischen Schildvulkanen vergleichbar, die weite Strecken zu überdecken in der Lage sind. So finden sich Reste von Vogelsbergbasalten sogar im Stadtgebiet von Frankfurt. Der Geologe und Autor Prof. Dr. Peter Rothe berichtet von Kellern in der Bockenheimer Landstraße, die in solchen Gesteinen, die früher als „Main-Trapp“ bezeichnet wurden, angelegt sind.
Auch bei Hanau ist die Vogelsberglava im Naherholungsgebiet  „Dietesheimer Steinbrüche“ zwischen Mühlheim-Dietesheim und Hanau-Steinheim sehr schön aufgeschlossen.
Heute noch derart tätige Vulkantypen findet man beispielsweise auf Hawaii, wo der Kilauea als derzeit aktivster Vulkan der Erde tätig ist. Auch der Mauna Loa auf Hawaii ist einer der größten Schildvulkane der Erde.
Aufgrund dieser letzten Phase seines Vulkanismus, die für sein endgültiges Aussehen ausschlaggebend war, wird der Vogelsberg gerne auch als Deutschlands einziger Schildvulkan bezeichnet. Dieser Begriff sollte im Falle des Vogelsbergs allerdings mit Vorsicht verwendet werden, meint der Geowissenschaftler Dr. Frank Volker vom Geographischen Institut der Universität Gießen: „Der Geologe Hans Cloos (1885 – 1951) hat den Vogelsberg als Schildvulkan mit einem großen zentralen Krater gesehen und in seinen Blockzeichnungen auch so dargestellt.

Schwefelquellen (Fumarole) sind ein sicheres Indiz für vulkanische Aktivität

Aber seit dem Miozän sind doch einige Millionen Jahre ins Land gegangen, denn der Vogelsberg stellt, so wie alle anderen tertiären Vulkanvorkommen Deutschlands auch, eine Vulkanruine dar, die durch postvulkanische erosive Tätigkeit herauspräpariert wurde und dabei den größten Teil ihres vulkanischen Oberbaus verloren hat. Und  bei den laufenden Detailstudien und Kartierungen werden zunehmend lokale Eruptionszentren entdeckt, die auch die Bedeutung von explosiven Ereignissen im Verlaufe der aktiven vulkanischen Phase des Vogelsberges belegen. Unterstützt werden diese Befunde durch das Auftreten stark differenzierter Magmentypen (Trachyte). Der Vogelsberg zeigt hinsichtlich Genese, Aufbau und Charakter des Vulkanismus immer mehr Ähnlichkeiten mit den benachbarten tertiären Vulkanfeldern (Rhön, tertiäre Eifel etc.). Der große Unterschied liegt allerdings darin, dass im Gebiet des späteren Vogelsberges offensichtlich eine Häufung der Eruptionszentren vorlag, die eine Akkumulation von Vulkangesteinen zur Folge hatte. Ein Teil dieser Vulkangesteine konnte den Attacken der Verwitterung besser widerstehen als die sedimentären Rahmengesteine. Daher liegt der Vogelsberg heute als riesiger Klotz im Zentrum Hessens“, soweit die Ausführungen des Gießener Geologen. Er betont jedoch, dass Hans Cloos in den meisten seiner geowissenschaftlichen Ausführungen richtig lag und oft genug sogar seiner Zeit voraus war.