Vulkan
Ein sanfter Riese mit feuriger Vergangenheit
Der Vogelsberg ist mit etwa 2.500 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Vulkanmassiv Mitteleuropas. Er liegt in der Mitte Deutschlands, mitten in Hessen. Heute zeigt sich der seit etwa 10 Millionen Jahren nicht mehr tätige Vulkan von seiner lieblichen Seite; beim genauen Hinschauen kann er jedoch seine Herkunft nicht leugnen, was an vielen Stellen die moosüberwucherten Vulkanfelsen bezeugen. Natur pur, weite Ebenen, kleine Flüsschen, klare Seen und eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt prägen diese ideale Urlaubsregion. Betrachtet man das Gebirge auf einer Landkarte, so erscheint es wie ein riesiger, sanft ansteigender Einzelvulkan. Dieser Eindruck täuscht allerdings, vielmehr entstand der Vulkan durch viele zeitlich versetzte Ausbrüche an unterschiedlichen Stellen im Erdzeitalter des Tertiärs. Die Hauptförderphasen liegen 14 bis 17 Millionen Jahren zurück. Der Vogelsberg ist nach neuen Erkenntnissen der Geologen trotz seiner Form, die dem flachen Schild eines Kriegers gleicht, kein Schildvulkan. Vielmehr handelt es sich um ein Vulkangebiet immenser Größe.
Geotope
Markante Felsenformationen und Landschaftselemente, Gesteinsaufschlüsse oder auch Fundstellen von Mineralien werden als „Geotope“ bezeichnet. Sie vermitteln Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und die Entstehung des Lebens. Geotope sind von Natur aus außerordentlich vielgestaltig. Die Dimensionen von Geotopen schwanken zwischen kleinen an Böschungen freigelegten Gesteinsoberflächen und großflächigen Steinbrüchen.
Vulkan und Naturlandschaft
Das Bild des einstigen Vulkangebietes hat sich bis heute sehr verändert. Eiszeit, Erosionen und Verwitterung haben die Basaltschicht abgeschliffen und die für die Region so typischen Täler mit kleinen Wasserläufen geschaffen. Die ausgedehnten Buchwälder im Hohen Vogelsberg sind Folge der fruchtbaren Böden. „Buchonia“ nannten bereits die Römer diese Region. Doch ist das Klima für die Landwirtschaft sehr rau. Auf vielen der herausgewitterten ehemaligen Vulkanschlote entstanden malerische Burgen und Ansiedlungen, z. B. das Dörfchen Stornfels, das von weitem wie ein überdimensionierter Adlerhorst wirkt. Bizarre Basaltmassive und Felsformationen türmen sich vor allem im östlichen Vogelsberg. Die Wälder sind hier mit Basaltbrocken in allen Größen durchsetzt. In den basaltischen Felsenmeeren – „Blockhalden“ genannt – finden sich geschützte Biotope seltener Pflanzengesellschaften. Auch auf den Feldern ist der Basalt allgegenwärtig. Hier wurde er in Jahrhunderten von fleißigen Händen abgesammelt und an den Rändern zu Lesesteinwällen geschichtet. Darauf hat sich eine reichhaltige Heckenflora entwickelt, die nicht nur zahlreiche Pflanzen und Tieren Schutz bietet, sondern an heißen Tagen auch dem Wanderer als Schattenspender willkommen ist und heute das Bild des „Unteren Vogelsberges“ prägt, der sich wie ein Ring um den Oberwald zieht.
Wasserreichtum
Basalt als Wasserspeicher
Der Basalt dient als Filter und als Wasserspeicher. Die hohen Niederschläge und der zu allen Jahreszeiten häufige Nebel begründen den Wasserreichtum des Hohen Vogelsberges. Regenwasser versickert im klüftigen Basalt des Berges und tritt oberhalb der undurchlässigen Schichten als Quelle zu Tage. Die Quellen und ihr Gerinne vereinen sich schon im Oberwald zu Bächen, die sternförmig in alle Richtungen fließen. Das klare Vogelsberger Wasser ist das Trinkwasserreservoir der Region und des gesamten Rhein-Main-Gebietes. Das Heilbad Bad Salzhausen verfügt über natürliche, salzhaltige Quellen. Dieses Wasser steigt durch große Basaltbruchspalten aus großer Tiefe von selbst empor. Im Solebewegungsbad mit Saunalandschaft sorgt das Wasser für wohltuende und heilende Effekte. In Herbstein wurde durch eine Bohrung im Jahre 1975 thermales Mineralwasser erschlossen. Mit 32,9° C kommt das mineralhaltige Wasser an der Oberfläche an und speist die Vulkantherme.
Basalt und Kultur
Eisenerzgewinnung
Die erodierten Basalte ergaben Lagerstätten von angereichertem Basalteisenstein, die bis ins 20. Jahrhundert rund um den Vogelsberg abgebaut wurden. Bis heute bestehen die Friedrichshütte bei Laubach und die Kunsteisengießerei Buderus in Hirzenhain, beide sind aber mittlerweile auf Rohstoff-Importe angewiesen. Auch am „Schwarzen Fluss“ bei Grebenhain lassen sich noch mittelalterliche Reste dieser "Industrie" finden.
Basaltsteinbrüche
Viele Dörfer hatten früher ihren eigenen kleinen Steinbruch. Basalt wird immer noch abgebaut, heute jedoch überwiegend als Schotter oder Splitt im Straßen- und Bahnlinienbau verwendet. Dort, wo der Abbau die Erde aufgeschlossen hat, zeigen sich auch für den Laien interessante geologische Formen – etwa die typischen Fünf- oder Sechskantsäulen des Vogelsberger Basaltes.










