Der Vulkanradweg im Vogelsberg

Auf 94 km ist er ausgewiesen – der Vulkanradweg – und schlängelt sich durch die herrlich offene Wald- und Wiesenlandschaft des Vogelsberges, des größten erloschenen Vulkangebietes in Mitteleuropa. Die Natur, Dörfer und Städtchen zeigen sich aus einer Perspektive, die allenfalls Bahnreisenden bis Mitte der 70er Jahre in Erinnerung ist, denn das 64 km lange Kernstück von Glauburg-Stockheim bis Lauterbach führt weitgehend auf der Trasse der ehemaligen Oberwaldbahn. Verlängerungen an beiden Enden gewährleisten die Einbindung in das hessische Radfernwegenetz. So ist es möglich vom Limesradweg ab Altenstadt in der Wetterau bis zum Fuldaradweg bei Schlitz auf durchgängig hervorragendem Belag zu radeln.

Radweg auf stillgelegter Bahntrasse

Mit der Bahnstrecke, die den entlegenen Vogelsberg an die prosperierende Rhein-Main-Region anband, kam Anfang des 20igsten Jahrhunderts ein Aufschwung in die Region. Doch keine 50 Jahre dauerte es, bis der erste Straßenbus der Oberwaldbahn Zug um Zug die Gäste wegnahm. Am 30. September 1975 kam das Aus für den Personenzugverkehr. Der Güterverkehr ratterte noch bis 1994 und bediente Betriebe in Grebenhain-Oberwald (daher der Name Oberwaldbahn) und die Holzabfuhr. Die Gleise wurden nach und nach abgebaut und mit der Zeit wuchs der Gedanke an eine andere Nutzung der Bahntrasse. Die Idee, eine Museumsbahn auf der Vogelsbergstrecke einzurichten, scheiterte sehr schnell daran, dass die DB-Immobiliengesellschaft nicht die erhoffte symbolische 1.-DM für die Anlage verlangte, sondern ganze sechs Nullen als Verhandlungsbasis anhängte. In 1998 wurde schließlich die touristische Radweg-Nutzung mit sichtbarem Erfolg angepackt.

Radfahren auf Feinasphalt mit Rollautomatik

Der mit Feinasphalt versehene Radweg geht heute von Altenstadt bis Lauterbach mit weiterer Ausschilderung entlang der Route R7a bis Schlitz. Mit unübersehbarer Beschilderung und einer mäßigen Steigung von maximal 3% bietet er optimale Bedingungen für den Genussradfahrer, Familien mit Kindern und Gelegenheitsradler. Auf ihm macht Radeln auch im Mittelgebirge unglaublich Spaß. Der höchste Punkt des Vulkanradweges ist auf 570 Meter am ehemaligen Bahnhof von Hartmannshain, wo der Südbahnradweg in Richtung Birstein und Kinzigtal abzweigt.

94 Kilometer voller Erlebnisse

Die Geschichte der Bahn hat die Region geprägt. Davon erlebt der Radfahrer auch heute noch etwas bei seiner Fahrt durch die parkartige Vogelsberglandschaft. Der Vulkanradweg beginnt (oder endet) in Altenstadt, doch genau genommen als Bahntrassenradweg erst in Stockheim, denn die Bahnanbindung über Altenstadt und Glauberg nach Stockheim gibt es noch. Hier am südlichen Ende befand sich einst einer der bedeutendsten Siedlungsplätze der Region, der Glauberg. Funde belegen die Besiedlung des Hochplateaus von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter. Durch den Sensationsfund eines keltischen Fürstengrabes im Jahre 1994 erlangte der Glauberg Berühmtheit. Anhand der Funde präsentiert das neue landesmuseum „Keltenwelt am Glauberg“ keltisches Leben. Auch der kulturhistorischer Rundweg über den Glauberg lohnt.

Auf dem Vulkanradweg geht es weiter entlang des Niddertals über Ortenberg mit der malerischen Altstadt Richtung Hirzenhain und Gedern. Den Weg säumen 13 eiserne Stelen mit kleinen Infotafeln in der Form von Bahnschwellen des Künstlers Wilfried Klaus aus Ortenberg. Über dem Tal ragt hoch auf die Burg von Lißberg. Im ehemaligen Schulhaus auf dem Burgberg ist das Musikinstrumenten-Museum mit einer einzigartigen Sammlung historischer Drehleiern und Dudelsäcke untergebracht, das gegen Voranmeldung besichtigt werden kann. Die Eisengießerei hat in Hirzenhain Tradition. Noch heute ist der Kunstguss in Hirzenhain beheimatet. Im Kunstgussmuseum wird anschaulich gezeigt, was die Werkstatt früher und heute herzustellen vermag.

Ein kultureller Höhepunkt auf der Strecke ist ganz sicher Gedern. Das restaurierte Schloss, an dem der Weg geradezu vorbeiführt, erstrahlt in vollem Glanz. Hier sind neben einem Hotel und Restaurant auch die Tourist Information und ein kulturhistorisches Museum untergebracht, das in einem Modell die Entwicklung der Bahnstrecke zum Radweg verdeutlicht. Kinder haben ihre helle Freude, denn viele Drücker lassen Lämpchen aufleuchten, die Bahn fahren und noch vieles mehr. Per Film kann der Besucher schon einmal virtuell die restliche Strecke fahren und sich mit Geschichten und Sagen in den Vogelsberg verlieben. Das Info-Zentrum „Alte Schmiede“ informiert über die Wirtschaftsgeschichte im Niddertal, dem der Vulkanradweg nach Süden folgt. Es ist der Startpunkt zum Eisenpfad, der als Wanderweg zu den historischen Plätzen in der Natur führt. In einem Nebengebäude hat ein Seifensiederei Quartier bezogen. Hier kann der Besucher hautnah erleben, wie Seifen mit den schönsten Düften hergestellt werden und diese natürlich auch käuflich erwerben.

Richtung Norden verlässt der Radweg das Niddertal und in einer großen Schleife nimmt er die Höhe bis auf 570 Meter bei Hartmannshain. Wie eine Hochebene breitet sich die Landschaft nach Osten vor dem Radler aus. Gemächlich geht es vorbei an Kühen, Schafen und durch Wald und Wiesen. Gasthöfe mit schönen Biergärten laden zur Rast ein und in Ilbeshausen ist mit der Teufelsmühle einer der prachtvollsten Fachwerkbauten zu bestaunen.

Der Blick auf Herbstein, das auf einem ehemaligen Vulkanschlot thront, macht Lust auf einen Besuch der Stadt. Wie bei einer Kirchenburg scharen sich die Bürgerhäuser um die dem heiligen Jacobus geweihte Kirche. Ein Fleck an einem der Jokobs-Pilgerwege, davon zeugt auch der Jakobsbrunnen am Marktplatz. An der Strecke noch deutlich auszumachen sind die ehemaligen Bahnstationen. Die Restaurierung und Umnutzung des kleinen Bahnhofes in Frischborn zur Kulturkneipe und Bistro wurde mit einem Denkmalschutz-Preis gewürdigt.

Kurz vor Lauterbach ragt unübersehbar Schloss Eisenbach empor. Glücklich ist der, der noch die Zeit hat für ein Verweilen in der herrlichen Parkanlage mit den riesigen Tannen, die aus dem Tal das Schloss geradezu zu überragen scheinen. In Lauterbach angekommen können sich kleine und große Pedalritter nach einem langen Tag entspannen, abschalten oder in der Saunalandschaft des Erlebnisbades wieder in Schwung bringen. Bis zur Burgenstadt Schlitz und dem Fuldaradweg sind es noch gut 15 Kilometer. Der Bahnanschluss in Fulda ist bequem entlang des Flusses zu erreichen.

Der Vulkanradweg ist ein Stück Natur, ein Stück Kultur und ein Stück gelebte Geschichte. Er bietet Inspiration für die Sinne und für jeden etwas.


Sehenswert:

Schlitz: Burgberg mit drei Burgen, befahrbarer Burgturm, Burgmuseum, Schloss Hallenburg (Landesmusikakademie) in den Auen der Schlitz; Fachwerkstadt Lauterbach: Hohhaus-Museum, Strumpfbrunnen, Freizeitbad „Die Welle“; Herbstein: Thermal-Bewegungsbad, Stattmuseum; Grebenhain: Teufelsmühle, Schwarzbachtal; Gedern: See, Schloss, "Alte Schmiede"; Hirzenhain: Kunstguss-Museum, Augustinerkloster, Skulpturengarten; Ortenberg: Musikinstrumenten-Museum in Lißberg, Kleinkunstbühne „Fresche-Keller“, Jazz Club, Kloster Konradsdorf; Glauberg: Museum, Archäologischer Park.


Karten:
- "33 schönste Radtouren Rhein-Main" mit Vulkanradweg, Peter Meyer Verlag, 18 €, ISBN 978-3-89859-320-5
- Topographische Freizeitkarte des Hess. Landesvermessungsamtes, TF-50-VB, 1:50.000, 2005, 9,50 €, ISBN 3-89446-340-6
- Bikeline-Radatlas "Wetterau und Vogelsberg", Verlag Esterbauer, 12,90 €, ISBN 978-3-85000-172-4
- Vulkanradweg Erlebniskarte unter www.vulkanradweg zum Download oder kostenfrei zu bestellen bei der Vogelberg Touristik GmbH, Tel. (06044) 96 48 48


Mobilität:
Freizeitbusse des Vulkanexpress mit Radanhänger an Wochenenden und Feiertagen von Mai – Oktober und Radmitnahme in den Bussen entlang der B275 in den hess. Sommer- und Herbstferien:
Infos: Verkehrsgesellschaft Oberhessen, Tel. (06031) 71 75 0,
Fax. 71 75 111, service.friedberg(at)vgo.de, www.vgo.de


Infos:
Region Vogelsberg Touristik GmbH
Vogelsbergstr. 137a, 63679 Schotten
Tel. (0 60 44) 96 48 48, Fax 96 48 49
info(at)vogelsberg-touristik.de
www.vogelsberg-touristik.de, www.vulkanradweg.de