Der Keltenfürst vom Glauberg

Der Glauberg bildete eines der Zentren keltischer Besiedelung in Hessen. Bereits die keltische Ringwall-Anlage am Gipfel und Funde seiner frühgeschichtlichen Besiedelung machten ihn zu einer kulturhistorischen Besonderheit.

Seit Ende der 90ger Jahre gelangte er durch neue Funde zu Weltruhm:

Erst wurde der Fürstengrabhügel mit dazugehöriger Prozessionsstraße entdeckt und rekonstruiert. Es folgte der Fund des vollständig erhaltenen steinernen Keltenfürsten mit wertvollen und seltenen Grabbeigaben. Eine Einzigartigkeit in ganz Europa!

Besichtigungsmöglichkeiten:

Das Museum

Im Spätsommer 2008 wurde mit dem Bau des modernen Museumsgebäudes begonnen, der im Mai 2011 eröffnet wurde. Es ist ein klar umrissenes, mit Corten-Stahlplatten verkleidetes Gebäude, das sich aus dem Hang des Glaubergs herausschiebt und auf den Grabhügel des Keltenfürsten ausgerichtet ist – eine Art Fernrohr in die Vergangenheit.
Die drei Etagen haben jeweils spezifischen Funktionen: Im Erdgeschoss befindet sich der Eingangsbereich mit der Cafeteria, die einen beeindruckenden Ausblick bietet. Das darüberkragende Geschoss beinhaltet die Ausstellungsräume sowie die Museumsverwaltung. Das dominierende große Panoramafenster gibt im Verlauf des Ausstellungsbesuches den Blick auf den Grabbezirk und die umgebende Landschaft frei und lässt diese selbst zu einem Ausstellungsstück werden. Vom Dach erleben die Besucher schließlich das weitere naturräumliche Umfeld des Glaubergs. Der Bau überzeugt durch seine klaren und strengen Formen, die ein eigenständiges Element in der Landschaft darstellen, aber dennoch nicht mit den archäologischen Zeugnissen in Konkurrenz treten.

Die Ausstellung

Der Ausstellungskonzeption liegt die Idee zugrunde, das Leben und die Kultur der Kelten umfassend darzustellen und den Besuchern dabei verschiedenste Zugänge zu den scheinbar so weit entfernten eisenzeitlichen Menschen am Glauberg zu erschließen. Die Funde vom Glauberg sind die Herzstücke der Ausstellung, sie werden in ihrer Bedeutung und ursprünglichen Funktion anschaulich vermittelt. Multimediale Installationen, die die Besucher in die Zeit der Kelten entführen, begleiten den Ausstellungsrundgang.
Einblicke in die gesamte Bandbreite der „keltischen“ Kulturerscheinungen – von den vorchristlichen Kelten über die Inselkelten z. B. in Irland bis hin zum zeitgenössischen „Keltentum“ in Musik und Modeerscheinungen – komplettieren die Darstellung im neuen Museum.


Der Archäologische Park

Im 20 Hektar großen Gelände des Archäologischen Parks sind einige der archäologischen Denkmäler noch oder jetzt wieder sichtbar: die Überreste der Befestigungsanlagen aus keltischer Zeit und Mittelalter, der große keltische Grabhügel 1, ein von Gräben begleiteter Weg – die sogenannte Prozessionsstraße, ein Rekonstruktionsvorschlag zu einem keltischen Kalenderbauwerk, Reste der mittelalterlichen Burganlage und Siedlung. Auf einem archäologisch-naturkundlichen Rundweg erhalten Sie die wichtigsten Informationen zu den archäologischen Monumenten und zur Geschichte des Glaubergs.
Doch künftig gibt es hier noch viel mehr zu entdecken: Rekonstruktionen und Installationen zu den vielfältigen, teils noch verborgenen archäologischen Spuren, Fernrohr-Blicke in die Vergangenheit, ein innovatives Informationssystem und ein Keltenwelt-Garten, in dem der Naturraum der Zeit vor 2500 Jahren wieder erlebbar wird. Die Planungen für den erweiterten archäologischen Park laufen bereits auf Hochtouren!


Das Forschungszentrum

Die Forschungen am Glauberg sind noch längst nicht abgeschlossen, obwohl viele Institutionen und Einzelpersonen mit unterschiedlichsten Fragestellungen, Zielsetzungen und Methoden an und über den Glauberg gearbeitet haben. Besonders die Entdeckungen im Umfeld des Glaubergs geben momentan mehr Rätsel als Antworten auf, sind sie doch bisher in ihrer Monumentalität und in ihren Dimensionen einmalig und derzeit nicht mit anderen frühkeltischen Anlagen in Mitteleuropa vergleichbar.
Durch neue Methoden und Schwerpunktsetzungen sowie den intensiven Austausch mit Fachkollegen im In- und Ausland werden die Geheimnisse des Glaubergs nach und nach gelüftet und so die vergangene Lebenswelt der eisenzeitlichen Menschen beleuchtet.

Führungen, aktuelle Nachrichten und weitere Sonderprogramme finden Sie unter: www.keltenwelt-glauberg.de


 

Europaweit einzigartige Anlage eines
keltischen Kalenderbauwerks am Glauberg

Nördlich des großen Grabhügels stießen Archäologen, neben einem komplexen System weiterer Gräben, auf 16 gruppenweise angeordneten Pfostengruben, welche mit vermutlich etwa 8 bis 9 Meter langen Holzstämmen bestückt waren.

Obwohl die genaue Bedeutung dieser Anlage bis jetzt ungeklärt ist, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die durchdachte, geometrische Anordnung der Gräben und Pfosten, nicht nur kultischen, sondern auch astronomischen Zwecken gerecht wurde. Mit Hilfe der Pfähle und verschiedener Visierpositionen war es von der Stätte aus möglich, bestimmte Punkte am Horizont genau anzupeilen, wodurch man die tägliche Verschiebung des Sonnenaufgangspunktes genau bestimmen konnte.


Wissenswertes rund um die Kelten vom Glauberg


Links:

Keltenwelt am Glauberg: www.keltenwelt-glauberg.de

Aus dem Leben der Kelten: www.keltoi.de

Hessische Landesarchäologie: www.kelten-info-bank.de/hessen.html

Kelten in Hessen: www.hassiaceltica.de

Keltische Stätten in Deutschland: www.verein-keltenwelten.de

 

Büchertipps:

Das Rätsel der Kelten vom Glauberg,
Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1592-8

Ein frühkeltischer Fürstengrabhügel am
Glauberg im Wetteraukreis,
Wiesbaden 1996, ISBN 3-8982-2129-6

 

Historie zum Schmökern:

Horst Kratzmann:

Das Vermächtnis des Keltenfürsten
 ... in diesem historischen Kurzroman aus der Zeit der Kelten am Glauberg verknüpft der Autor geschickt gesicherte geschichtliche Erkenntnisse mit einer frei erfundenen Handlung um Machtstreben und Krieg.

2. Auflage; 134 Seiten. Pb. 8,00 EUR. 14,50 SFr. / ISBN 3-89774-294-2

Inhalt
Hoch über dem Tal der Nidda, im Oppidum des Glaubergs, regiert um 500 v. Chr. der mächtige Keltenfürst Boutasages. Als Boutasages im Sterben liegt, setzt er seine beiden Kinder, die besonnene, schöne Sequenna und den kriegerischen, eroberungswütigen Pratusicagus zu gleichberechtigten Erben ein.

Aber Pratusicagus missachtet das Vermächtnis des Vaters und überfällt Sequenna. Besiegt nach einem harten Kampf, flieht diese nach Attika, in das Heimatland ihrer Mutter. Jahre später übt sie blutige Rache.

Eine spannungsvolle fiktive Erzählung, in die reale historische Schauplätze und vorzeitliches Leben kunstvoll verwoben sind..


Weitere Kelten-Funde in Hessen

Der Dünsberg bei Gießen
Der Dünsberg war neben dem Glauberg ein wichtiges Zentrum der keltischen Besiedelung in der mittelhessischen Region. Auf dem Dünsberg befinden sich gut erhaltene Reste einer keltischen Ringwallanlage, welche zur Keltenzeit aus drei Befestigungsringen bestand.

Die Milseburg in der Rhön
Auf der Westseite des Kuppenberges befinden sich die Reste eines keltischen Dorfes und eines Keltentores. Die Reste der keltischen Fliehburg und des Keltentores sind heute noch gut auf der Westseite des imposanten Berges zu erkennen. Auf der Ostseite befinden sich die Reste eines keltischen Ringwalles. Hier gibt es einen prähistorischen Lehrpfad sowie die Rekonstruktion einer keltischen Mauer und mehrere rekonstruierte Häuser.

Bad Nauheim
Am Rand des Kurpark, westlich des Sprudelhof, stießen Archäologen in den späten 1990er Jahren auf eine große keltische Saline. Hier wurde Salz gewonnen und vermutlich verkauft. Verschiedene Funde befinden sich in einem Ausstellungsraum im Kurpark, nahe des Gradierbau.