Welche vulkanischen Gesteine gibt es im Vogelsberg und wie sind sie gelagert?

Der Vogelsberg baut sich aus Basalten und Trachyten auf. Das sind Ergussgesteine, die durch den Aufstieg von flüssiger Gesteinsschmelze (dem Magma, das als Lava bezeichnet wird, wenn es an die Erdoberfläche gelangt) entstanden. Die Basalte und Trachyte erkalteten an der Erdoberfläche oder oberflächennah. Neben den Ergussgesteinen  kommen auch Auswurfprodukte des Vulkans, Pyroklastika genannt, häufig vor. Sie treten in Form von Aschen (das ist in diesem Fall kein Begriff für Verbrennungsprodukte, sondern eine Korngrößenbezeichnung), Steinchen (Lapilli), Tuffsteinen (das sind Aschen oder andere Auswurfprodukte, die sich später verfestigten) oder größeren Brocken in kugeliger Form (Bomben) auf.

Die Förderung magmatischer Gesteine (Quelle HLUG)

Es gibt sehr viele Arten von Ergussgesteinen, die mit dem bloßen Auge oft nicht zu unterscheiden sind. Grundsätzlich unterscheidet man sie nach dem Anteil ihrer enthaltenen Kieselsäure: Gesteine, die aus Schmelzen mit einem hohen Kieselsäureanteil entstehen, heißen Trachyte. Wenn sie an die Erdoberfläche drängen, ist die vulkanische Tätigkeit eher explosiv. Trachytische Schmelzen haben immer längere Zeit in einer unter dem Vulkan befindlichen Magmakammer verbracht und konnten während dieses Zeitraums differenzieren (d.h. sie veränderten ihre Zusammensetzung), sich mit anderen Magmen vermischen oder auch Nebengesteine aufnehmen. Innerhalb der Magmakammer sind sie im Vergleich zu den kieselsäuerarmen Basaltschmelzen leichter und „lagern“ so auch im oberen Teil der Magmakammer. Gesteinsschmelzen mit geringerem Kieselsäuregehalt, die basischen Schmelzen, sind schwerer und haben eher dünnflüssige Konsistenz. Sie können direkt und unmittelbar, d.h. binnen weniger Stunden oder Tage aus Tiefen von 50 bis 100 Kilometern aus dem Erdmantel an die Erdoberfläche aufsteigen und bilden oft große Lavaströme. Nach ihrer Zusammensetzung werden sie als Tholeiite und Alkalibasalte bezeichnet.

Ein Lavastrom bildet andere Erstarrungsformen wie das Magma in der Tiefe

Interessant und erwähnenswert sind auch die sogenannten Mantelxenolithe,  das sind Bruchstücke des Oberen Erdmantels aus etwa 50 bis 80 Kilometern Tiefe, die vom aufsteigenden Magma herausgebrochen, mitgerissen und rasch an die Erdoberfläche gefördert wurden. Es gibt im Vogelsberg Steinbrüche, in denen Mantelxenolithe gehäuft auftreten und durchaus Kopfgröße erreichen können. Diese Gesteine sind deshalb als besonders spannend anzusehen, weil sie Rückschlüsse auf die Bedingungen in Erdtiefen von 50 bis 80 Kilometern zulassen. Das ist eine Zone, von der Bohrungen auch heute noch weit entfernt sind: Die KTB-Bohrung in Windischeschenbach in der Oberpfalz hat eine Endteufe (d.h. maximale Tiefe) von 9101 m; das tiefste Bohrloch der Welt ist immer noch die Bohrung der UdSSR auf der Kola-Halbinsel (1970 – 1974) mit 12262 m Endteufe.


 In der Vergangenheit nahm man an, dass der Vogelsberg ausschließlich aus säurearmen Basalten aufgebaut wurde. Man glaubte sogar, dass die Region des Vogelsbergs nur von einer dünnen Basaltschicht überzogen ist und die zentral gelegene Höhe des „Oberwaldes“ durch Hebung des Untergrundes zu erklären ist. Diese Annahme war falsch: 1996 brachte eine Forschungsbohrung in der Nähe von Ulrichstein, die sich fast 700 Meter in den Untergrund bohrte,  eine Abfolge von zahlreichen unterschiedlichen Basalttypen zutage. Vor allem waren mächtige Trachyte und eine Vielzahl vulkanischer Auswurfprodukte wie Lapilli, Bomben und Aschentuffe vorhanden. Diese Bohrung erreichte nicht die vulkanische Gesteinsbasis und bewies damit, dass die Basaltschicht unter dem Oberwald mächtiger als die Bohrtiefe ist. Insgesamt gesehen ist der Vogelsberg durch eine bunt gemischte, scheinbar „ungeordnete“ Gesteinsabfolge geprägt, die von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ist 

Lavabomben finden sich an vielen Orten der Region

Die Absonderungsformen der Vulkangesteine können höchst verschieden aussehen, je nach  Gesteins- und Abkühlungsart entstanden Säulen mit vier bis sieben Seiten. Die Säulen stehen nahezu immer senkrecht zur Abkühlungsfläche. In trichterförmigen Kraterfüllungen bilden sie sich strahlenförmig aus. Verbreitet sind auch plattige Formen.

Säulenbasalt gibt es in vielerlei Größen