Wie sieht der Vogelsberg heute aus?

Morgenröte über dem Vulkanmassiv

„Wenn man sich dem Gebirge mit der Vorstellung nähert, einen großen Vulkan zu erklimmen, wird man eher über die äußerst geringe Hangneigung verwundert sein“, so beschreibt Prof. Dr. Peter Rothe den Vogelsberg - und viele andere Autoren berichten ähnliches. Von seinem Erscheinungsbild legt das Gebirge, speziell der „Oberwald“ mit seinen radialstrahlig nach allen Himmelsrichtungen verlaufenden Tälern, den Gedanken an einen Zentralvulkan sehr nahe. Aber das stimmt nicht, wie in den Kapiteln über die Entstehung des Vogelsberges bereits beschrieben wurde. Vielmehr ist der ehemalige Vulkan eine Region mit ganz vielen Ausbruchsstellen. „Die Grenzen des Vogelsberges lassen sich geologisch sehr gut mit der Verbreitung seiner vulkanischen Gesteine definieren, obwohl es auch da Grund zur Diskussion gibt“, so Rothe in „Die Geologie Deutschlands“.

Basaltmassiv und Geotop Uhuklippen

Naturräumlich wird die Region im Nordosten vom Lauterbacher Graben und im Westen von der Wetterausenke begrenzt. Im Südosten geht das Gebiet allmählich in die ähnlich aufgebaute Rhön über und bei Büdingen im Süden  erfolgt der Übergang in den Spessart. Eine andere, geographische Definition wäre, dass der Vogelsberg großräumig von den Städten Gießen (im Westen), Alsfeld (im Norden), Fulda (im Osten) und Büdingen (im Südwesten) umgrenzt wird. Im „Hohen Vogelsberg“ sind ausgedehnte Wälder prägend, im „Niederen Vogelsberg“ sind Heckenlandschaften charakteristisch. Überall zeugen Steine und Basaltklippen von der vulkanischen Vergangenheit des heute „sanften Riesen“. Dass viele Gesteinsschichten des Vulkans nach seinen Ausbruchsphasen abgetragen wurden, steht für die Wissenschaftler fest, in welchem Umfang die Abtragung jedoch stattfand, weiß man nicht genau. So ist es auch bis heute unklar, ob die heutigen Höhen an Taufstein oder Hoherodskopf ursprünglich tief innerhalb des Vulkans oder eher oberflächennah lagen.

Vogelsberger Waldbach

Wasser ist ein wichtiges Thema im Vogelsberg: So fällt sein radialstrahlig angelegtes Talnetz bereits auf einer topographischen Karte gleich ins Auge. Im Oberwald gibt es etliche Quellen, die in alle Himmelsrichtungen abfließen: Die Gewässer in nördlicher Richtung fließen über Fulda, Werra, Schwalm und Eder der Weser zu, die in südlicher Richtung gelangen über die Lahn und den Main in den Rhein. Die zahlreichen Teiche und Seen sind von Menschen angelegt. Sie bilden für Naturliebhaber reizvolle Blickfänge und sind auf alle Fälle prägend für die Naturlandschaft. Gespeist werden die Quellen durch die hohen Niederschlagswerte, im Oberwald liegen sie im Durchschnitt bei etwa 1.000 mm pro Jahr. Damit ist auch die Existenz von Hochmooren zu erklären wie das auf der Breungesheimer Heide, wo zudem die spezielle Topographie ideale Voraussetzungen schuf.
Der vulkanische Untergrund ist ein riesiges Wasserreservoir: Die zu Tonen verwitterten Vulkanite funktionieren als Wasserstauer, darüber befindliche, poröse Vulkanite als Wasserspeicher, sie beherbergen gewaltige Wassermengen, es gibt davon zahlreiche Stockwerke. Das Wasser zirkuliert auch auf den Klüften in den vulkanischen Gesteinen. Dieses reiche Grundwasserreservoir dient für die ganze Region und insbesondere für den Großraum Frankfurt als Lieferant des elementaren Lebensmittels. Zu ergänzen ist, dass die Qualität des Vogelsberger Wassers aus den Tiefbrunnen besonders hochwertig ist. So ist beispielsweise das Wasser aus dem Inheidener Brunnen, das aus 300 Meter Tiefe gefördert wird und das ins Rhein-Main-Gebiet gepumpt wird (22 Mio. Kubikmeter jährlich) von erstklassiger Qualität.