Die Forschungsbohrung am Rehberg – Ein Fenster in die Vergangenheit:

Schema eines Vulkandoms (Quelle HLUG)

Im Sommer 2007 brachten Experten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) unter Leitung des Landesgeologen Dr. Dieter Nesbor südöstlich des Hoherodskopfes am Rehberg eine Kernbohrung nieder, die bis in 300 Meter Tiefe ging. Die geförderten Gesteine brachten die Forschungen zur feurigen Vergangenheit des Vogelsberges um ein gutes Stück voran, so dass die Geologen sehr gut die Entstehungsgeschichte des Vulkans rekonstruieren konnten.

Und so beschreiben sie das Szenario: „Die Bohrung setzte in einer im Vogelsberg bisher unbekannten vulkanischen Gesteinsabfolge an. Diese sogenannten trachytischen Tuffablagerungen sind das Produkt hochexplosiver Vulkanausbrüche, die in der späteren Tertiärzeit – vor 17 Mio. Jahren – stattfanden und verheerende Glutlawinen (Block- und Aschenströme) zur Folge hatten.

Vergleichbare Vorgänge haben auch in historischer Zeit bis hin zur Gegenwart weltweit immer wieder stattgefunden, so z.B. auf verschiedenen Karibikinseln oder in Japan. Vor dem damaligen Ausbruch stieg aus einer Magmakammer unter dem Vogelsberg eine über 700°C heiße Gesteinsschmelze an die Erdoberfläche auf. Dieses Trachyt-Magma war wegen seines hohen Kieselsäure-Gehaltes extrem zähflüssig und bildete im Vulkankrater einen Lavadom, eine sog. Staukuppe. (siehe Abbildung oben) Durch die nachströmende Gesteinsschmelze füllte diese den Krater langsam auf und schob sich über den Kraterrand hinaus, bis die überhängenden Teile abbrachen. Glutlawinen aus heißer Asche und bis zu mehrere Kubikmeter großen glühenden Gesteinsblöcken flossen mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h die Hänge des Vulkans hinunter.

Modell des Lavastroms am Rehberg (Quelle HLUG)

Bevorzugt folgten sie dem Verlauf von Tälern und füllten diese auf – wie hier südöstlich des heutigen Hoherodskopfes. Unter dem damaligen subtropischen Klima verwitterten die Aschenanteile der Tuffablagerungen in der folgenden Zeit zu hellgrauem Ton. Nach einer 1,5 Mio. Jahre langen Unterbrechung der vulkanischen Tätigkeit setzte der Vulkanismus erneut ein. Eine eintönige Basaltabfolge entstand, die das aus einer ganzen Palette unterschiedlicher Gesteine aufgebaute ältere Vulkangebiet noch heute mit über 100 Metern Mächtigkeit überdeckt – bis auf das Gebiet südöstlich des Hoherodskopfes....“(Quelle: HLUG).