Wie verwitterten die Gesteine und welche Landschaftsformen entstanden dabei?

Tropisches Klima im Vogelsberg - lang ist das her!

Zeitgleich zum Ende der Vulkantätigkeit im Vogelsberg erreichte das tropische, feuchtheiße Klima in dieser Region sein Optimum. Von dieser Zeit geben beispielsweise die Palmen im sogenannten Münzenberger Blättersandstein heute noch Zeugnis. So geschah es, dass die vulkanischen Gesteinsprodukte einer extremen, tiefgründigen Verwitterung unterlagen. Die mineralischen Bestandteile der Gesteine wurden dabei chemisch umgewandelt: Es bildeten sich mächtige Verwitterungsdecken (Latosole) in Form von Roterden, auch Bauxite und Basalteisensteine entstanden: Bei dieser höchst intensiven chemischen Verwitterungsform wurde das Eisen aus den Basalten herausgelöst und konzentrierte sich in Form von Krusten. In den Bauxitknollen wurde auch das praktisch unlösliche Aluminium angereichert.

Basalt auf roter Erde - Verwitterungsprodukt aus tropischen Zeiten

Diese tropischen  Verwitterungsprodukte, von denen besonders die Roterden oft auffallend grellrot verfärbt sind, sind  heute noch in vielen tropischen Regionen landschaftsprägend: Wer kennt beispielsweise nicht das Bild des australischen Ayers Rock mit seinen umgebenden tiefroten Ebenen? Auch tertiäre Braunkohlenlager entstanden im Vogelsberg. Die Verwitterungsdecken sind stellenweise bis über 50 m mächtig gewesen.
Basalt gilt grundsätzlich als leichter verwitterbar als andere Gesteine wie beispielsweise Quarzite oder Granite. Dennoch zeigten sich gerade die Basaltschlote im Vogelsberg und an seinem Rand als sehr  abtragungsresistent: Ihre Reste überragen heute noch an etlichen Stellen die Landschaft.
Die Landschaftsformung im ausgehenden Tertiär bildete Flächen aus, was auch ein ganz charakteristischer Prozess unter tropischem Klima ist. So ist das Vogelsberg-Gebirge, das heute die Gestalt einer kreisrunden, uhrglasförmig gewölbten Erhebung besitzt, die sich von ca. 130 m bis 774 m über dem Meeresspiegel erstreckt, durch Flächen verschiedener Höhenlage strukturiert. Diese Flächen müssen zur gleichen Zeit wie die Latosole gebildet worden sein, nahmen dem Vulkangebilde die schroffen Formen und schufen die Grundlage für den heutigen typischen Mittelgebirgscharakter des Vogelsberges.

Ulrichstein: Harter Basalt im Vulkanschlot hat die Erosion überstanden

Mit dem Wechsel zum Quartär, dem Eiszeitalter, dessen Beginn bei 1,8 Mio. Jahren vor unserer Zeit angegeben wird, vollzog sich allmählich die Umstellung zum kühl-gemäßigten Klima. Damit endete auch die tiefgründige Verwitterung der Vogelsbergvulkanite und die Flächenbildung.