Was passierte in der Eiszeit?

Im Erdzeitalter des Quartärs, das durch den Wechsel zahlreicher Eis- und Warmzeiten geprägt ist, fanden in der Region des Vogelsberges keine nennenswerten tektonischen Bewegungen statt, die das Formenbild des Gebirges wesentlich veränderten. Während der Eiszeiten war das Gebiet nie von Gletschern bedeckt, es lag im sogenannten Periglazialraum, so hieß das Gebiet zwischen den Gletschern, die von Norden aus Richtung Skandinavien bis nach Norddeutschland rückten  und im Süden die Alpen vereisten. Dabei drangen sie bis ins heutige Alpenvorland vor.
Während dieser Zeit entwickelte sich das radialstrahlige Talnetz, stellenweise bildeten sich Flussterrassen aus. Die jungtertiären Verwitterungsprodukte wurden nahezu vollständig abgetragen, erhalten blieben sie am ehesten  am Westrand des Vogelsberges in der Nähe der Wasserscheide Main/Lahn.

Blockhalde am Geiselstein

Die physikalische Verwitterung war im Quartär wirksam: Diese Form der Verwitterung zersetzt die Gesteine durch äußerlich wirkende physikalische Kräfte, wie z.B. Wasser, Eis, Wind oder Temperaturschwankungen. Das Gestein wurde zerstört, seine gesteinsbildenden Minerale bleiben jedoch erhalten. Durch diese Aufbereitung der Gesteine konnten sich Solifluktionsdecken, Solifluktionsschutt und Blockmeere bilden (diese drei  Begriffe bezeichnen Umlagerungsprodukte von Gesteinsmaterial verschiedener Größenordnungen: Wasserdurchtränkte Lockergesteine wurden durch langsames Fließen auf  geneigtem Untergrund, vor allem auf Dauerfrostboden, von ihrem ursprünglichen Entstehungsort verlagert). Beispiel für ein solches Blockmeer ist das untere Schwarzbachtal-Felsenmeer.


Besonders in den tiefer gelegenen Gebieten des Unteren Vogelsberges und den umgebenden Senkungszonen, wie der Wetterau, lagerte sich Löß, ein vom Wind transportiertes und abgelagertes Sedimentgestein, ab, das sehr fruchtbare Böden hervorbringt. In Gunstlagen erreicht der Löß  Mächtigkeiten über zehn Meter. Mit dem Übergang zum Holozän vor knapp 12.000 Jahren, der Zeit nach der letzten Vereisungsperiode, also auch der Zeit, in der wir heute leben, bildeten sich die Böden und die heute vorhandene natürliche Vegetation aus.