Warum brachen im Vogelsberggebiet Vulkane aus?

Die weltweit starke vulkanische Tätigkeit im jüngeren Tertiär ist in der sogenannten „Plattentektonik“ begründet: Die Kontinente liegen auf den sogenannten „Kontinentalplatten“. Diese „schwimmen“ mit dem ebenfalls festen oberen Teil des Erdmantels  auf dem darunter liegenden, plastischen, zähflüssigen Bereich, der sogenannten Asthenosphäre. Auch die Ozeanböden sind auf diese Weise mit der Asthenosphäre verbunden. Durch auf- und absteigende Konvektionsströmungen im Erdmantel driften die Platten auseinander und an anderer Stelle aufeinander zu.

Aus diesem Grund zerbrach auch der riesige Urkontinent Pangäa, in dem einst alle Kontinente vereint waren. In Bereichen, in denen die Platten auseinanderdriften, das ist beispielsweise mitten im Atlantik an dem untermeerischen Mittelatlantischen Rücken – in dessen Bereich auch Island liegt - der Fall, dringt flüssige Gesteinsschmelze, das Magma, aus dem Ozeanboden und bildet neuen Meeresgrund. Die beiden seitlich dieser gewaltigen, von Norden nach Süden verlaufenden Spaltenzone befindlichen ozeanischen Platten driften auseinander, neuer Ozeanboden entsteht. 

Neben den auseinander treibenden Platten gibt es auch Zonen, in denen Platten aufeinandertreffen. Durch das Zusammenschieben der Massen bilden sich hier Gebirge. Im Tertiär entstanden auf diese Weise rund um den Globus unter anderem in Asien der Himalaja, in Nordamerika die Rocky Mountains, in Südamerika die Anden und in Europa – durch das Aufeinanderprallen der Afrikanischen Kontinentalplatte auf die Europäisch-Asiatische Platte – die Alpen. Diese gewaltigen Auffaltungsprozesse wurden von unzähligen Erdbeben und Vulkanausbrüchen begleitet.

Faltengebirge sind die "Knautschzonen" der Plattentektonik

Innerhalb des europäischen Kontinents wirkten sich diese Kräfte durch die Entstehung von Bruchzonen aus. So verläuft eine große Bruchzone vom Mittelmeer über den Oberrheingraben, die Wetterau, die nordhessische Senke bis zum norwegischen Mjösensee nördlich von Oslo. Eine weitere Zone, entlang der zur damaligen Zeit Vulkane ausbrachen, zieht sich von der Eifel im Westen in einem Bogen gen Osten bis nach Schlesien. Inmitten dieser, durch Bruchschollen geprägten Regionen suchten sich die Gesteinsschmelzen, die den Vogelsbergvulkanismus entstehen ließen, ihren Weg. Der Vogelsberg zählt somit zu den sogenannten „Intraplattenvulkanen“, d.h. er befindet sich inmitten einer Kontinentalplatte. Die Bruchtektonik setzte sich auch während der vulkanischen Ausbruchsphasen fort.